Von Blankenese in die Welt

Von Blankenese in die Welt

In einem Bildband über Blankenese heißt es: „Die Blankeneser sind stolz, Besuchern von anderswo die großen Container- und Kreuzfahrtschiffe zu zeigen, die auf der dem Blankeneser Ufer ganz nahen Fahrrinne des Weges ziehen.“

Mehr als das ...

Für Ingrid Rode war es mehr als das: Ja, auch sie war stolz und hat die Schiffe geliebt. Aber sie hat sie zum einen, vor allem im Alter, mit Vorliebe aus ihrer Wohnung Am Kiekeberg beobachtet. Zum anderen kannte sie die meisten Kreuzfahrtschiffe in- und auswendig:

Davon zeugen ganze Umzugskartons voll mit liebevoll und aufwendig bis ins Detail beschriebenen Reiseberichten.

Weitere unzählige Kisten sind mit Dias von diesen Reisen rund um die Welt bestückt. Laut ihrer eigenen Liste hat sie von 1967 bis ins Jahr 2003 über 30 Kreuzfahrten gemacht.

Reiselust

Es ist anzunehmen, dass sie diese Reiselust von den Eltern geerbt hat.

Auch als Kind war sie schon viel unterwegs, allerdings eher Bad Pyrmont, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden, wie Bilder zeigen.

Auch ihre Mutter Emmy war schon 1931 mit dem Dreischrauben-Luxusdampfer Reliance auf der Ersten Deutschen Wochenend-Hochseefahrt 1931 (Reederei Hamburg-Amerika Linie).

Ihr Vater Wilm war 1938 mit der Hamburg-Amerika Linie auf der Milwaukee auf Nordlandfahrt – die Liebe zu Schiffsreisen hat wohl in der Familie gelegen.

Für die Stiftungsgründerin Ingrid Rode waren diese Reisen der einzige Luxus, den sie sich in ihrem Leben gönnte. Ansonsten lebte sie sehr bescheiden und äußerst sparsam. Und freute sich täglich beim Blick auf die Elbe über die Schiffe, die dort kreuzten.

Wissbegierige Kaufmannstochter

Was hat Ingrid Rode interessiert?
Das war vieles – und vor allem muss man festhalten, dass sie sich alle Themenfelder akribisch erarbeitet hat. Es ist zu vermuten, dass ihr Halbwissen nicht geheuer war. Anders lassen sich die – kofferweise – vollgeschriebenen Notizbücher nicht erklären.
Ob Aktien, Kommanditgesellschaften, Geldanlagen, Steuererstattungen oder Bridge, Longdrinks, Cocktails und natürlich welche Flagge zu welchem Land und welcher Reederei gehört: Sie hat alle Informationen gesammelt und teils per Schreibmaschine wie ein Referat in der Schule abgearbeitet – ein BWL-Student hätte es nicht besser und genauer gemacht.

Oder war sie doch ganz einfach Kaufmannstochter, die sehr viel von ihrem Vater und ihrer Mutter gelernt hat?

Ein Leben in und für Blankenese

Geboren, gelebt und gestorben in Blankenese: Zeit ihres Lebens hat Ingrid Rode am Kiekeberg gelebt. Man könnte auch sagen: Blankenese war ihre große Liebe. Sie hatte daher regen Anteil an der Entwicklung des Stadtteils. Als Vermieterin eines Ladens in der Blankeneser Bahnhofstraße hatte sie auch den geschäftlichen Werdegang des Viertels stets im Blick. So lange es ihre Gesundheit zuließ, hat sie interessiert am Blankeneser Leben teilgenommen.

Wer sie kennengelernt hat, wird ihr kämpferischer und durchaus sehr eigener Gerechtigkeitssinn – was Behörden, Geschäftsleute und Mieter angeht – in Erinnerung geblieben sein. Sie war ein kritischer Geist, hat oft mit ihrem Leben und den Schicksalsschlägen in ihrer Familie gehadert – und war dennoch mit einer großen Portion Humor und Schalk im Nacken gesegnet.

Und sei es, dass sie davon gesprochen hat, den größten Fuhrpark in Blankenese zu besitzen: die Taxen. So streitbar sie oft war, so innig und langjährig waren Beziehungen zu Mietern, Ärzten und Handwerkern, mit denen sie durchaus sogar 50-jährige Jubiläen gefeiert hat.

Dazu kam der eiserne Wille so lange wie nur möglich eigenständig zu leben, unabhängig zu sein, so wie sie es Zeit ihres Lebens war. Das ist ihr bis kurz vor ihrem Tod mit fast 95 Jahren auch erstaunlich gut gelungen.

Ihr Vermögen hat Ingrid Rode schon zu Lebzeiten in die Lange Rode Stiftung übertragen, damit in ihrem Namen die Fürsorge für Blankenese weiter Bestand hat.

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